Agatha Christie

Agatha Christie wurde am 15.09.1890 als Agatha Mary Clarissa Miller in Torquay (Großbritannien) geboren und hatte eine ältere Schwester (Margaret, geb. 1879) und einen älteren Bruder (Montant, geb. 1880). Ihr Vater Frederick Alyah Miller (Amerikaner) machte Geschäfte in Übersee, über deren Inhalt nichts weiter bekannt ist. Dennoch ermöglichten es diese Geschäfte der Familie Miller, ein angenehmes Leben in Wohlstand zu führen. Verheiratet war er mit seiner englischen Ehefrau Clarissa Margaret Boehmer.

Agatha Miller wuchs in Torquay auf und wurde bis zu ihrem 16. Lebensjahr von ihrer Mutter in der elterlichen Villa Ashfield unterrichtet. Ihre Eltern erkannten schon früh ihr schriftstellerisches Talent und mit 11 Jahren veröffentlichte Agatha Miller ihr erstes Gedicht in einem Lokalblatt. Im Jahr 1901, Agatha war immer noch 11 Jahre alt, verstarb ihr Vater.

1912 lernte Agatha Miller auf einem Ball Oberst Archibald Christie kennen, einen Flieger der königlichen Luftwaffe, den sie 1914 heiratete. Als der Erste Weltkrieg begann, arbeitete Agatha Christie zunächst als Krankenschwester beim Britischen Roten Kreuz in einem örtlichen Krankenhaus und später in einer Apotheke, wo sie viele Erfahrungen mit Giften sammelte, die in ihren späteren Werken eine große Rolle spielen sollten. Ihre Mutter machte ihr den Vorschlag, einen Roman zu schreiben, der jedoch nie veröffentlicht wurde. Durch viele belgische Flüchtlinge wurde sie zu der Figur des Hercule Poirot inspiriert. Der ordnungsliebende Detektiv, der seine Fälle mit seinen grauen Zellen löste, ermittelte in 33 Romanen und über 50 Kurzgeschichten.

Gemeinsam mit ihrem Mann zog Agatha Christie nach London, wo im August 1919 ihre gemeinsame Tochter Rosalind Margaret Clarissa Christie geboren wurde. Im darauf folgenden Jahr erschien Agatha Christies erster Krimi Das fehlende Glied, in dem der belgische Detektiv Hercule Poirot ermittelte.

Mit ihrem Krimi Alibi (englischer Originaltitel: The Murder of Roger Ackroyd) wurde sie dann schlagartig berühmt, da sie in diesem Krimi alle Klischees, die der Leser von einem Krimi erwartete, auch verwendete. Das Buch endete mit einer noch nie verwendeten Lösung und schockierte die Leser. Dieser Roman wird als heute eines ihrer besten Bücher angesehen.

Obwohl als Schriftstellerin sehr erfolgreich, hatte Agatha Christie im Privatleben weniger Glück. Durch den Beruf ihres Mannes als Flieger der königlichen Luftwaffe ließ dieser sie häufig allein. 1926 verstarb ihre Mutter Clarissa, so dass sie nicht nur deren Tod verkraften, sondern auch deren Villa Ashfield räumen musste. Nachdem ihr Mann ihr zudem auch noch eine Affäre mit einer Golfpartnerin gestanden hatte, brach sie völlig zusammen und verließ das Haus mit ungekanntem Ziel. Erst 10 Tage später wurde sie nach einer spektakulären Suchaktion durch mehrere hundert Polizisten und Helfer in einem Hotel in Harrogate gefunden. Sie hatte jedoch einen fast kompletten Gedächtnisverlust und konnte sich an fast nichts mehr hinsichtlich dieser 10 Tage erinnern, so dass bis heute nicht geklärt werden konnte, was damals geschah. Die Ehe mit Oberst Christie wurde 1928 geschieden.

Über 50 Jahre später produzierte der Regisseur Michael Apted den Film Das Geheimnis der Agatha Christie (englischer Titel: Agatha), der sich mit diesem Verschwinden beschäftigte und in dem Vanessa Redgrave die Hauptrolle spielte.

Nach ihrer Scheidung begab sich Agatha Christie auf eine ausgedehnte Reise in den nahen Osten, die ihr großen Einfluss auf ihre schriftstellerische Tätigkeit geben sollte. Zunächst reiste sie mit dem Orient-Express nach Bagdad und von dort aus weiter nach Ur, einer Stadt im Irak, wo sie das Ehepaar Katharine und Leonard Wolley kennenlernte. Leonard Wolley war hier mit Ausgrabungen beschäftigt und da Agatha Christie sich mit dem Ehepaar Wolley anfreundete, dem sie später die Kurzgeschichtensammlung The Thirteen Problems widmete, blieb sie längere Zeit bei dem Grabungsteam.

Die Hauptfiguren des Romans Mord in Mesopotamien basieren auf Katharine und Leonard Wolley, wobei Agatha Christie diesen Hauptfiguren einige Charakterzüge hinzufügte, die das Ehepaar Wolley nicht hatte.

1930 hielt sich Agatha Christie erneut in Ur auf und lernte dabei den Archäologen Max Mallowan kennen. Der 14 Jahre jüngere Mallowan war zu dieser Zeit als Grabungsassistent bei Leonard Wooley tätig. Während Mallowan Agatha Christie die Ausgrabungen und die Gegend zeigte, verliebten beide sich ineinander. Auf Grund einer Erkrankung ihrer Tochter Rosalind musste Agatha Christie im selben Jahr zurück nach England reisen. Dabei wurde sie von Max Mallowan begleitet, den sie im September 1930 in Edinburgh heiratete.

Ebenfalls 1930 veröffentlichte Agatha Christie ihren Roman Mord im Pfarrhaus, ihren ersten Roman um die altjüngferliche Miss Marple, einer älteren Dame mit wachem Verstand, die in dem beschaulichen Örtchen St. Mary Mead lebt.

In den folgenden Jahren begleitete Agatha Christie ihren Mann Max Mallowan bei seinen Ausgrabungen unter anderem in Syrien und im Nord-Irak.

Das Werk der Queen of Crime wurde in über 100 Sprachen übersetzt und die Auflage liegt bei etwa 2 Milliarden. Agatha Christie dürfte damit die wohl bekannteste Krimiautorin der Welt sein. Viele ihrer Romane wurden auch verfilmt. Zu den bekanntesten Verfilmungen dürften

  • Der Mord im Orient-Express (Albert Finney als Hercule Poirot)
  • Tod auf dem Nil (Sir Peter Ustinov als Hercule Poirot)
  • Das Böse unter der Sonne (Sir Peter Ustinov als Hercule Poirot)
  • Mord im Spiegel (Angela Lansbury als Miss Marple)
  • 16 Uhr 50 ab Paddington (Margaret Rutherford als Miss Marple)
  • Der Wachsblumenstrauß (Margaret Rutherford als Miss Marple)
  • Mörder Ahoi (Margaret Rutherford als Miss Marple)
  • Zehn kleine Negerlein (Und dann gab's keines mehr)

zählen. Sowohl von Hercule Poirot als auch von Miss Marple gibt es eine große Auswahl von Büchern, Hörbüchern und DVDs.

Mit dem Theaterstück The Mousetrap (dt. Die Mausefalle), welches am 25. November 1952 uraufgeführt wurde, machte sie auch im Theater Kariere. Das Stück wird seitdem nonstop in England aufgeführt und hatte bereits weit über 20.000 Aufführungen. Die Mausefalle ist somit das längste ununterbrochen aufgeführte Stück und kam als meistgespieltes Krimistück sogar in das Guinness-Buch der Rekorde.

Agatha Christie, die Queen of Crime, verstarb am 12.01.1976 nach einem Schlaganfall in Winterbrook House in der Grafschaft Oxfordshire.