Columbos falscher Vorname

Dies ist die Story von „Philip Columbo“ - oder –
Wie Columbo unversehens zu einem falschen Vornamen kam.

Wussten Sie, dass der Vorname von Inspektor Columbo in den 80er Jahren Gegenstand eines 300 Millionen Dollar schweren Urheberrechtsprozesses war, der sich sogar bis vor den Obersten Gerichtshof der USA hinzog?

Fred L. Worth war früher als Fluglotse in Sacramento im Bundesstaat Kalifornien tätig und schrieb das Buch „The Trivia Encyclopedia“, übersetzt in etwa „Das Lexikon der Belanglosigkeiten“. Dieses Buch wurde 1974 erstmals veröffentlicht und hatte überraschenderweise einen so großen Erfolg, dass weitere Lexika der Belanglosigkeiten folgten.

Worth sah voraus, dass das Geschäft mit derartigen Informationen erfolgreich verlaufen würde und machte sich natürlich Sorgen um die von ihm in mühsamer Kleinarbeit gesammelten Fakten. Natürlich war ihm klar, dass man Fakten des öffentlichen Lebens nicht schützen kann. Er wollte jedoch versuchen, die Rechte für die von ihm gewählte Form seiner Sammlung zu schützen.

Ihm war bekannt, dass Unternehmen, die Landkarten und Stadtpläne erstellen, in diesen Werken manchmal Fehler einbauten, z.B. in Form eines Sees, den es an dieser Stelle nicht gibt oder eine fiktiven Straße, um so ihre Werke zu schützen. Inspiriert von dieser Idee überlegte Worth, absichtlich einen falschen Artikel in seinem Buch zu platzieren und zu veröffentlichen. Sofern jemand sein Buch kopieren würde, könnte er nachweisen, dass diese Information aus seinem Buch stammt.

Als 1984 das Brettspiel „Trivial Persuit“ auf den Markt kam, hatte es sich gewissermaßen zum Volkssport entwickelt, Trivialitäten zu wissen. Das Spiel war ein Riesenerfolg und bei der Markteinführung wurden allein in den USA 256 Millionen Dollar umgesetzt. Worth kamen die Fragen auf den Spielkarten von „Trivial Persuit“ sehr bekannt vor und nach Vergleichen mit seinen Büchern behauptete er, dass 3976 Fragen direkt aus seinem „Lexikon der Belanglosigkeiten“ abgeschrieben worden seien. Darauf basierend entschied sich Worth, Klage wegen Urheberrechtsverletzung gegen das Unternehmen einzureichen.

Eingedenk der Tatsache, dass er in seinem Lexikon Inspektor Columbos Vorname mit „Philip“ angegeben und er diesen Vornamen frei erfunden hatte, glaubte Worth über eine Geheimwaffe zu verfügen.

Im Oktober 1984 strengte also das Verfahren am Gerichtshof in Südkalifornien an. Beklagt wurden die Erfinder von „Trivial Persuit“ John und Chris Haney, Ed Werner und Scott Abbot. Außerdem beklagt wurden die Distributoren des Spieles in den USA und Kanada, Selchow & Righter sowie die Horn Abbott Ltd. Fred L. Worth forderte dabei einen Schadenersatz in Höhe von 300 Millionen Dollar.

Der Rechtsanwalt von Worth behauptete, dass seitens der Beklagten erhebliche Mengen an Material aus den Werken seines Mandanten, unter anderem aus dem „Lexikon der Belanglosigkeiten“, gestohlen habe. Dabei wäre die Beklagte sogar so weit gegangen, Rechtschreib- und Druckfehler zu übernehmen. Weiterhin behauptete Worth' Rechtsanwalt, sein Mandant habe eine falsche Antwort aus dem Spiel, die Worth selbst bewusst in seinem Lexikon veröffentlicht habe, um Verletzungen gegen das Urheberrecht nachweisen zu können, übernommen. Dabei weigerten sich sowohl Worth als auch sein Anwalt, diese falsche Antwort zu Beginn des Verfahrens zu benennen.

Natürlich musste die Antwort schlussendlich genannt werden und die Rechtsanwälte von Trivial Persuit gaben zu, dass die Beklagte einen kleinen Teil der Fragen / Antworten aus dem Lexikon der Belanglosigkeiten entnommen habe, dass es neben diesem Lexikon jedoch auch noch eine Fülle weiterer Quellen genutzt worden seien. Unbestrittene Tatsache blieb jedoch, dass der Name Philip Columbo nur aus Worth' Lexikon stammen konnte, eben weil er sich Columbos Vornamen nur ausgedacht hatte.

Das angerufene Gericht lehnte den Fall ab und im Jahr 1987 wurde die Einstellung des Ursprungsprozesses durch das Berufungsgericht aufrecht erhalten (United States Court of Appeals for the Ninth Circuit September 8, 1987 4 U.S.P.Q.2d 1144; 56 USLW2174; 827 F. 2d569; 1987 Corp. L. Dec. p. 26). Das Gericht erklärte weiter, dass das Spiel und das Lexikon grundverschieden seien. Worth' Rechtsanwalt legt zwar Berufung beim Obersten Gerichtshof der USA ein, jedoch lehnte der Oberste Gerichtshof die Berufung am 28.05.1988 ab.

Auch wenn Trivial Persuit die Karte mit der Frage nach Inspektor Columbos Vornamen schon vor langer Zeit aus dem Spiel entfernt hat, wird dennoch immer noch über den Vornamen Philip geredet und auch auf das Spiel hingewiesen. Auch in einem „Cop Cookbook“, in dem eine Sammlung von Rezepten berühmter Fernsehdetektive und -polizisten veröffentlicht wurde, wird Columbos Vorname mit Philip angegeben. Auch hier hatten die Macher sich scheinbar vom Lexikon der Belanglosigkeiten beeinflussen lassen.

Des Weiteren berufen sich auch verschiedene Internetseiten, die sich mit Inspektor Columbo beschäftigen, auf den Vornamen Philip. Alternativ wird die Behauptung aufgestellt, dass dieser Vorname bei der Bühnenversion von „Rezept: Mörder“ genannt wird. Dies entspricht jedoch nicht der Realität. Übrigens warb auch eine Anzeige des Autoherstellers Peugeot damit, dass der berühmteste Fahrer eines ihrer Fahrzeuge „Lieutenant Philip Columbo“ sei. Auch hier haben sich die Macher dieser Werbung scheinbar auf Trivial Persuit oder Fred Worths Lexikon verlassen.

Sie sehen also, dass der vermeintliche Trick von Fred L. Worth, sein Urheberrecht zu schützen, zur Bildung einer Legende geführt hat. Nur wissen Sie jetzt immer noch nicht, wie der Vorname von Inspektor Columbo lautet. Möchten Sie es gern wissen? Dann lesen Sie die Seite Columbos Vorname. Übrigens können wir Ihnen auch sagen, wie der Vorname von Mrs. Columbo lautet.

Hier finden Sie alle Episoden von Inspektor Columbo.