Miss Marple

Jane Marple und ihre Schwester wuchsen in einem behüteten Haushalt aus der oberen Mittelschicht, betreut von einer deutschen Erzieherin, auf. Ihr Vater scheint Domherr einer Kathedrale gewesen zu sein, so wie auch zwei ihrer Onkel; der eine Domherr von Ely und der andere Domherr von Chichester.

Mit vierzehn Jahren verbrachte sie einen kurzen Urlaub mit ihrer Tante Helen und ihrem Onkel Thomas, einem pensionierten Admiral, in Bertrams Hotel in London. Dieser Aufenthalt in dem altehrwürdigen Hotel war für sie so prägend, dass sie sich auch viele Jahre später noch sehr gut daran erinnern kann. Als sie zwei Jahre später eine Schule im italienischen Florenz besuchte, lernte sie die beiden Amerikanerinnen Ruth und Carrie Louise Martin kennen, die ebenfalls diese Schule besuchten.

Viele Jahre später lebt Miss Jane Marple in dem fiktiven kleinen verschlafenen Dorf St. Mary Mead in der ebenso fiktiven Grafschaft Downshire. Die Schriftstellerin Agatha Christie hat ihre Amateur-Detektivin Miss Marple als eine kultivierte und hochgewachsene schlanke Dame beschrieben, die etwas blass und zerbrechlich wirkt.

Zum Zeitpunkt ihres ersten Auftretens scheint Miss Marple etwa 65 Jahre alt gewesen zu sein. Sie trägt ihr weißes Haar hochgesteckt unter einer schwarzen Spitzenhaube. Dazu trägt sie passende schwarze Spitzenhandschuhe mit halben Fingern. Zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen zählt das Stricken, wobei sie auch dabei ihre Spitzenhandschuhe nicht ablegt. Außerdem liest sie sehr gern und auch Gartenarbeit gehört zu ihren bevorzugten Freizeitbeschäftigungen.

Miss Marple bewohnt in St. Mary Mead ein kleines Haus mit einem sehr gepflegten Garten. Da von einer beruflichen Tätigkeit nichts bekannt ist, scheint sie ihr Leben aus dem Erbe ihrer Eltern zu bestreiten. Dieses scheint jedoch nicht allzu hoch zu sein, so dass sie durchaus sparsam wirtschaften muss. St. Mary Mead ist ein typisch englisches Örtchen unweit der Ortschaft Much, wo auf Grund der Größe des Ortes auch die zuständige Kriminalpolizei ihren Sitz hat.

Auch wer der Meinung ist, dass in einem kleinen verschlafenen englischen Ort nichts passiert, muss sich eines Besseren belehren lassen. Im Verlaufe von etwa 40 Jahren wurden in diesem Ort die folgenden schweren Verbrechen begangen:

  • 16 Morde (2x durch eine Schusswaffe, 2x durch Ertränken, 5x durch den Einsatz verschiedener Gifte, 2x durch Erwürgen und 5x durch andere Ursachen)
  • 4 Mordversuche (durch Schläge auf den Kopf, den Einsatz von Gift und durch Ersticken)
  • 5 Raubüberfälle
  • 8 Unterschlagungen
  • 2 Serien von Erpressungen unterschiedlicher Personen

Wenn Miss Marple strickend in ihrem Lehnstuhl sitzt, wirkt sie wie eine freundliche ältere Dame. Allerdings ist das nur der Teil, den Miss Marple zu zeigen bereit ist. Darüber hinaus hat sie einen messerscharfen Verstand, der es ihr möglich gemacht hat, all die oben genannten Verbrechen aufzuklären. Dabei kommt ihr zugute, dass sie auf Grund ihres unschuldigen Aussehens und der Tatsache, dass sie eine ältere Dame ist, häufig unterschätzt wird.

Neben ihrer Beobachtungsgabe, ihrem phänomenalen Gedächtnis sowie ihrem Interesse für Details bieten ihr Parallelen aus dem Dorfleben bei der Aufklärung von Verbrechen nützlich Informationen. Ohne weiteres Zutun schlittert Miss Marple in die Ermittlungen um ein Verbrechen hinein. Manchmal reicht schon eine kleine Bemerkung aus, um ihr Interesse auf eine bestimmte Angelegenheit zu lenken. Dabei dringt die Amateurdetektivin selten direkt zu einer Angelegenheit vor. Meist arbeitet sie sich auf Umwegen an ihr Ziel heran.

Ihren ersten Fall klärte Miss Marple als Mitglied des Dienstagabend-Club im britischen The Sketch Magazine. Diese Diskussionsrunde, die sich Dienstagabend-Club nannte, traf sich in der Nähe von St. Mary Mead und befasste sich mit der Aufklärung ungeklärter Verbrechen. Natürlich auf rein hypothetischer Basis. Zu den weiteren Mitgliedern des Clubs gehören neben Miss Marples Neffen Raymond West und seiner Verlobten Joyce Lempriere, der ehemalige Kommissar bei Scotland Yard Sir Henry Clithering, der Rechtsanwalt Mr. Petherick, Dr. Pender, der Mediziner Dr. Lloyd, Colonel Arhur Bantry und seine Frau Dolly sowie die Schauspielerin Jane Helier.

Obwohl sich sowohl der Rechtsanwalt als auch der pensionierte Kommissar schon aus beruflichen Gründen sehr häufig mit der Aufklärung von Verbrechen beschäftigt haben, war es bei den Treffen des Dienstabend-Clubs immer Miss Marple, die die erörterten Verbrechen aufklären konnte.

Miss Marples Neffe Raymond kümmert sich sehr um seine Tante und ist häufig um ihr Wohlergehen besorgt. Von Zeit zu Zeit unterstützt er sie auch in finanzieller Hinsicht und im Hinblick auf ihre Gesundheit lädt er sie auch mehrfach zu einem Urlaub ein. Bis auf ihre Anfälligkeit für Bronchitis und die Tatsache, dass ihre Augen nicht mehr so gut sind, ist Miss Marple für ihr Alter recht gesund. Obwohl sie im Bedarfsfall Medikamente gegen Bronchitis einnimmt und auch ihre nachlassende Sehkraft mit Medizin behandelt, hält sie von der Einnahme von Medikamenten nicht sehr viel. Ganz im Gegenteil schwört sie auf Hausmittel wie Kamillentee oder Kampferöl oder andere Mittel, die schon seit vielen Jahren von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Miss Marple Romane von Agatha Christie

  • Mord im Pfarrhaus
  • Der Dienstagabend-Klub
  • Die Tote in der Bibliothek
  • Die Schattenhand
  • Ein Mord wird angekündigt
  • Fata Morgana
  • Das Geheimnis der Goldmine
  • 16 Uhr 50 ab Paddington
  • Mord im Spiegel
  • Karibische Affäre
  • Bertrams Hotel
  • Das Schicksal in Person
  • Ruhe unsanft