Philip Marlowe

"Ich trug meinen kobaltblauen Anzug mit dunkelblauem Hemd, Schlips und Brusttaschentuch, schwarze Sportschuhe und schwarze Wollsocken mit dunkelblauem Muster. Ich war scharf rasiert, sauber und nüchtern - egal nun, ob's einer merkte. Ich war haarscharf das Bild vom gut gekleideten Privatdetektiv. Ich wurde von vier Millionen Dollar erwartet."

Mit diesen Worten beginnt die Karriere von Philip Marlowe, Privatdetektiv in Los Angeles, in dem Roman Der große Schlaf (The Big Sleep) des Schriftstellers Raymond Chandler.

Philip Marlowe ist zu diesem Zeitpunkt 33 Jahre alt. Er hat das College besucht und ließ sich, nachdem aus seiner Tätigkeit als Ermittler für den Distriktanwalt wegen Befehlsverweigerung entlassen wurde, als Privatdetektiv nieder.

Der passionierte Schachspieler, der gern alte Schachpartien nachspielt und Schachprobleme löst, raucht sowohl Pfeife als auch Zigaretten und Bourbon gehört zu seinen bevorzugten Getränken. Der mit etwa 1,85m für seine Zeit recht große Philip Marlowe ist von relativ kräftiger Statur, hat dunkelbraune Haare und braune Augen.

Der gut gekleidete Privatdetektiv trug als Markenzeichen einen Trenchcoat und einen breitkrempigen Hut, der später als Bogarthut bekannt werden sollte, benannt nach dem Schauspieler Humphrey Bogart, der solche Hüte gern in seinen Filmen trug.

Sein Streben nach finanziellem Erfolg ist weniger deutlich ausgeprägt als seine Auffassung von Moral und bedingt durch seine ganz eigene Auffassung von Recht und Unrecht ist der Privatermittler eher selten in der Lage, Geld zurück zu legen. Meist ist er knapp bei Kasse, denn seine Auffassung von Recht erlaubt es ihm auch durchaus, einen kleinen Gauner, der sein Mitgefühl erregt hat, laufen zu lassen.

Der lässige und schnoddrige Philip Marlowe ist knallhart, unbestechlich und dennoch ein Romantiker mit häufigen Anwandlungen von Sentimentalität. Marlowes Welt ist das Amerika der Weltwirtschaftskrise. Eine Welt, in der sinkende Moral und steigende Korruption an der Tagesordnung sind. Eine Welt, die bevölkert wird von Politikern, Richtern, Spielern, schönen Frauen und all denen, die von der Finanzkrise betroffen sind oder davon profitieren.

Für heutige Tage nehmen sich die 25 Dollar, die der Privatdetektiv seinen Klienten als Tagessatz in Rechnung stellt, als sehr gering aus. Dazu kommen natürlich noch Spesen und er berechnete außerdem auch 8 Cent für jede gefahrene Meile.

Schließlich lebte man in Los Angeles, einer Stadt, in der schon 1930 über 1,2 Million Menschen lebten und die heute zu den größten Ballungsräumen der Welt zählt. Wenn man diese damaligen 25 Dollar der heutigen Kaufkraft entsprechend hochrechnen würde, läge dieser Tagessatz übrigens bei etwa 400-500 Dollar.

Seine Geschäfte laufen jedoch scheinbar nicht allzu gut, denn in dem Buch Lebe wohl, mein Liebling wird klar, dass er seit über vier Wochen keinen Fall mehr hatte und sich langweilt. Aus diesem Grund mischt er sich in einer Bar in eine Schlägerei ein, wodurch er an seinen nächsten Fall gelangt.

Philip Marlowe, der von Frauen zwar als attraktiv empfunden wird, hat nie eine Beziehung mit einer Vertreterin des schönen Geschlechtes. Zu guter Letzt heiratet er jedoch in dem von Robert B. Parker vollendeten Roman Einsame Klasse (Poodle Springs) die Tochter eines mehrfachen Millionärs.

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